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SEP
Warum wird der klassische Spielfilm von persönlichen Fotos und Filmen verdrängt?
Posted by Claudia Poggiolini under Uncategorized
Medieninhalte, die heutzutage aufmerksam konsumiert werden, müssen weltweite Interaktivität zulassen: Jederzeit freie Wahl des Inhalts, Austausch mit Freunden und Bekannten rund um die Welt, Meinungsäusserung und Mitbestimmung bei Inhalten.
Die Aufmerksamkeit, die etwas Neuem geschenkt wird, ist immer am Anfang am höchsten und nimmt nachher langsam ab. Eine Binsenweisheit mit Folgen, denn einen ähnlichen Verlauf finden wir auch mediengeschichtlich bei allen jeweils „neuen“ Medien. Wer kennt nicht dieses Bild aus den 30er Jahren: Gruppen von Leuten drängen sich mit höchster Aufmerksamkeit um ein altes, scherbelndes Radio herum und hören fasziniert zu? Einige Jahrzehnte später wurde das Radio zwar noch gehört, aber zugehört wurde kaum mehr: zu den Radiobeiträgen wird heute gekocht, gegessen, gehaushaltet, geschlafen, Auto gefahren, eingekauft usw. Das Radio ist also zum klassischen Begleitmedium verkommen, ursprünglich verdrängt vom aufkommenden Film. Doch auch bei den TV-Inhalten zeichnen sich ähnliche Tendenzen ab. Fand man vor 50 Jahren ebenfalls Gruppen von Leuten berauscht vor dem Flimmerbildschirm, so begleiten TV-Inhalte im 21. Jahrhundert ebenfalls schon alle möglichen Tätigkeiten. Kein Wunder, ist doch den Film- Serien- und anderen Medienformatherstellern auch langsam die Ideen für etwas wirklich Neues ausgegangen.
Haben wir denn heute nur noch Begleitmedien? Oder welchen Themeninhalten schenken die Leute allenfalls ihre volle Aufmerksamkeit?
Schon immer hatte der Mensch ein natürliches Bedürfnis, sich mitzuteilen, Bezug zu nehmen auf etwas Gesehenes, Gehörtes, Erlebtes. Nur leider fehlt den meisten Leuten die Zeit, ihr Mitteilungsbedürfnis umzusetzen. Es sei denn, das Ganze sei per Knopfdruck, Klick oder SMS möglich: Film gesehen – Voting abgeben.
Ebenfalls attraktiv und faszinierend scheint es für die meisten Menschen zu sein, das eigene Leben in Szene zu setzen, festzuhalten und sowohl Freunde als auch Familie daran teilhaben zu lassen. Deshalb wurde bis vor einigen Jahren bei Besuch sofort eine klobige Videokassette mit dem aufgenommenen Kindergeburtstag eingeworfen oder der verstaubte Diaprojektor umständlich hervorgekramt zwecks Vorführung der 3-wöchigen Australienreise.
Heute wird dies zwar dank modernen Digitalkameras und Handys stark vereinfacht, aber erst durch Internet – dem online-Medium der Neuzeit – wird es über Email, Facebook, Youtube und andere Plattformen möglich, Aufzeichnungen des eigenen Lebens sofort weltweit publik zu machen, zu virtuellen Communities dazuzugehören und am Leben seiner Freunde rund um die Welt per Klick teilzuhaben.
Die heutige Generation zeigt dank diesen neuen Möglichkeiten kaum mehr Interesse daran, passiv vor einem herkömmlichen Medium bzw. Medienformat wie z.B. dem klassischen Spielfilm zu sitzen.
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September 9, 2009 -
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Sehr schöne Analyse. Gratuliere. Leider sind die Inhalte heute jeweils nur auf einer bestimmten Plattform nutzbar. Beliebige Inhalte auf beliebige Endkundengeräte zu bringen verspricht die Industrie schon seit Jahren – was wir haben sind einige Filmchen auf Handys mit schlechte Usability. Hoffentlich haben sie da bald eine Antwort darauf.